Scrum als Rettung für die Bankenwelt?! Ein Realitätscheck der agilen Scrum Methode im Bankensektor

Veröffentlicht von am 21. April 2021 · Kommentieren

Scrum als mögliche Antwort auf zunehmende Komplexität

Wir leben in einer Zeit, die von sozialer, politischer und wirtschaftlicher Veränderung geprägt ist, einhergehend mit technologischem Fortschritt, der einem exponentiellen Wachstum gleichkommt. Scrum ist ein Mechanismus, oder auch „agile Methodik“, der Individuen sowie Organisationen den Umgang mit dieser Komplexität ermöglicht. So kann flexibel und schnell auf nicht prognostizierbare Veränderung reagiert werden. Denn wer sich nicht wandelt geht unter und die Fähigkeit zur schnellen Anpassung entscheidet letzten Endes über den Erfolg.

Bei der Begrifflichkeit „Scrum“ orientiert sich dieser Artikel an der Definition, die die Gründungsväter, Jeff Sutherland und Ken Schwaber, einst im Scrum Guide niedergeschrieben haben.   

 

Scrum ist bereits längst in der Praxis angekommen

Scrum hat längst Einzug in den Unternehmensalltag genommen. Nicht mehr nur Technologie- und Softwareunternehmen, sondern auch Konzerne setzten Scrum in fast jedem Bereich ein. Unternehmen mit Spezialisierung auf Fahrzeuge, Bankgeschäft, Versicherungen oder andere greifen auf Agilität zurück, um langfristig relevant zu bleiben. Ein Großteil der Veränderung basiert auf den sogenannten digitalen Transformationsprozessen, wonach die Trennlinie zwischen einem Unternehmen und seiner IT erstmalig aufgehoben wird. So ist heute jedes Unternehmen in gewisser Weise ein Technologieunternehmen.

 

Jedoch stellt Scrum Unternehmen immer wieder vor Herausforderungen

Um das volle Potenzial von Scrum in Form drastischer Wertschöpfungs- und Produktivitätssteigerung ausschöpfen zu können, müssen grundlegende Anpassungen an der Unternehmensführung sowie an betrieblichen Abläufen vorgenommen werden. Während die Anwendung von Scrum in einzelnen Teams bereits schnelle Ergebnisse liefert, ist die Methode im Kern von vielen Unternehmen noch nicht angekommen. Und genau darin besteht die alltägliche Herausforderung. Lassen Sie mich dies anhand des Bankensektors genauer erläutern.

 

Es wird besonders da schwierig, wo klassische Methoden auf agile Vorgehensweisen treffen

Der Bedarf einer digitalen Transformation im Bankensektor ist offensichtlich. Die Schließung der Bankfilialen, bis auf einige wenige Service-Center, reduziert die persönlichen Kontaktpunkte mit dem Kunden um ein Vielfaches. Die primäre Interaktion wird in die digitale Welt verlagert. Während das klassische Online-Banking vor fünfzehn Jahren nur die Einsicht in den aktuellen Kontostand sowie die Möglichkeit, Überweisungen zu tätigen oder einige wenige Bankprodukte abzuschließen, ermöglichte, können heute mit den Banking Apps weitaus komplexere Leistungen, in Anlehnung an den Gedanken der Plattformökonomie, in Anspruch genommen werden (z.B. Multi-Bank Aggregation, ZinsMarkt).

Um der stetigen Nachfrage gerecht zu werden, haben Konzerne eigene Digitalisierungseinheiten gegründet. Beständig auf der Suche nach Optimierungspotenzial hat schlussendlich auch die agile Scrum Methodik die Oberhand gewonnen. Herausfordernd wird es jedoch an der Stelle, an der das agile Vorgehen auf Festpreise von externen Dienstleistern sowie genaue Zielvorgabe des Managements trifft.   

 

Hybride Nutzung von Agil und Klassik ist nicht unüblich

Am einfachsten lässt sich der Unterschied zwischen klassischem Vorgehen und agilem Vorgehen darin begründen, dass die Entwicklung entweder sequenziell nach einem bestimmten Plan erfolgt (Wasserfallmodell) oder nach einem inkrementellen, iterativen Prozess (Scrum). So kann ein bankinternes Team nach Scrum arbeiten, aber an einen externen Dienstleister für die App-Entwicklung gebunden sein, der zum Start des Projektes, aufgrund von Festpreisbeauftragung, ein fertiges Fachkonzept erwartet. Laut einer Studie aus dem Jahre 2020 der Hochschule Koblenz gaben 74% der Teilnehmer an, dass die Rahmenbedingungen keinen durchgängigen Einsatz von agilen Methoden erlauben. Genau aus diesem Grund trifft man in der Praxis häufig auf eine hybride Nutzung beider Vorgehensweisen.

 

Ein Fazit für Scrum im Bankensektor

Der Trend zur Nutzung von agilen Methoden wie Scrum, u.a. in den digitalen Einheiten von Großkonzernen, nimmt eindeutig zu, wenn auch häufig als Mischform aufgrund externer Rahmenbedingungen. Ob und inwiefern Scrum auf der Ebene des Gesamtunternehmens Einzug nehmen wird, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Ein solcher Schritt könnte jedoch einen maßgeblichen Faktor für den zukünftigen Erfolg von Banken darstellen. So ist es mit Scrum möglich, zukünftige Produkte und Dienstleistungen, die sich immer mehr in die Welt des Digitalen verlagern, durch iterative Prozesse, schneller und beständig an den Interessen des Kunden auszurichten. Denn es ist genau diese Anpassungsfähigkeit, die den Erfolg – vielleicht auch Ihren Erfolg – von morgen bestimmt.

 

Quellen:

Komus, A. (2020). Ergebnisbericht:Status Quo ( Scaled ) Agile 2019/20. 4. Internationale Studie zu Nutzen und Erfolgsfaktoren (skalierter) agiler Ansätze. Hochschule Koblenz.  https://www.hs-koblenz.de/bpm-labor/status-quo-scaled-agile-2020

Preußig, J. (2020). Agiles Projektmanagement. Agilität und Scrum im klassischen Umfeld (2. Auflage). Freiburg, Deutschland: Haufe-Lexware GmbH & Co. KG.

Sutherland, J. & Schwaber, K. (2020). Der Scrum Guide. Der gültige Leitfaden für Scrum: Die Spielregeln. https://Scrumguides.org/docs/Scrumguide/v2020/2020-Scrum-Guide-German.pdf

Sutherland, J. J. & Haas, J. W. (2020). Das SCRUM-Praxisbuch. Frankfurt am Main, Deutschland: Campus Verlag GmbH.