Digitalisierung von Versicherungen – welche Plattform macht das Rennen?

Veröffentlicht von am 16. Mai 2019 · Kommentieren

Die Versicherungsbranche hat – gerade im europäischen Raum – den Ruf, die Digitalisierung verschlafen zu haben. Das stimmt so nicht. Die Versicherungen haben investiert, allerdings hauptsächlich in die Digitalisierung von Prozessen, um Kosten zu senken und Abläufe zu optimieren. Auch in die digitale Kundenschnittstelle wurde Geld gesteckt, um Apps zu entwickeln und das Angebot auf Webseiten auszuweiten. Damit geht die Branche jedoch nicht weit genug.

Für die Branche typisch: Geringe Kundenloyalität bei hoher Transparenz und hohem Preisdruck

Versicherungen leiden im Vergleich zu anderen Branchen an dem sehr seltenen Kundenkontakt. Während sich ein Bankkunde heutzutage üblicherweise zumindest wöchentlich ins Online- oder Mobile-Banking einloggt, um seinen Finanzstatus abzufragen oder Überweisungen zu tätigen, hat der Versicherungskunde mit seiner Versicherung nur beim Vertragsabschluss und im Schadenfall Kontakt. Die mangelnde Interaktion führt zu geringer Kundenloyalität, weshalb gerade beim Abschluss neuer Versicherungen die Entscheidung meist über den Preis getroffen wird. Wasser auf diese Mühlen sind die zahlreichen Vergleichsportale, wie check24 oder VERIVOX, die den Preis einer Versicherung in den Fokus rücken.

So kommt es auch nicht selten vor, dass ein Kunde mit einer Privathaftpflicht-, einer Hausrats-, einer Rechtschutz- und einer Kfz-Versicherung gleichzeitig Kunde von vier unterschiedlichen Versicherungsunternehmen ist. Hier geht die Übersichtlichkeit über Verträge und Kosten schnell im ganzen Papierkram verloren. Noch begnügen sich viele Kunden mit der aktuellen Situation. Es ist jedoch abzusehen, dass insbesondere die Digital Natives auf intelligente, digitale Angebote umschwenken werden.

Digitale Versicherungsmakler haben den Bedarf der Kunden erkannt

Aus Kundensicht muss also eine Plattform gefunden werden, die alle bestehenden Verträge unterschiedlicher Versicherer übersichtlich zusammenfasst und darüber hinaus weiteren Mehrwert bietet. Hierzu zählt beispielsweise die automatisierte Optimierung der Verträge. Diesen Bedarf haben bereits mehrere InsurTechs erkannt. Zu ihnen zählt das StartUp Knip, das als erster digitaler Versicherungsmakler am deutschen Markt gestartet ist. Mittlerweile sind zahlreiche weitere wie CLARK, getsafe und friendsurance dazu gekommen. Sie alle bieten zumindest einen Teil des folgenden Leistungsumfangs an:

  • Der Kunde kann seine Versicherungen zunächst digitalisieren und hat so alle Verträge inklusive wichtiger Details (Leistungsmerkmale, Laufzeiten, Ansprechpartner im Schadenfall, Konditionen) auf einen Blick – ganz ohne Papierkram
  • Der digitale Versicherungsmakler optimiert die vorliegenden Versicherungen und schließt bei Bedarf und nach Rücksprache mit dem Kunden neue Versicherungen zu besseren Konditionen ab
  • Schadensmeldungen können direkt über den digitalen Versicherungsmakler erfolgen
  • Der digitale Versicherungsmakler kann eigene Produkte kreieren, wie beispielsweise einen Bonus, der am Jahresende ausgezahlt wird, wenn der Versicherte keinen Schadenfall gemeldet hat

Neben InsurTechs können auch Banken oder Versicherungen als Plattform-Provider agieren

Natürlich muss es nicht zwangsweise ein InsurTech sein, das diese Leistungen auf seiner Plattform erbringt. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass diese sowohl mit der Neukundengewinnung als auch mit der Anbindung der diversen Versicherungsschnittstellen (online und offline) zu kämpfen haben.

Auch Versicherungen selbst können als Plattform agieren. Vorreiter sind hierbei insbesondere auf dem asiatischen Markt zu finden: Der chinesische Versicherer Zhong An bietet auf seiner Plattform neben den eigenen auch Versicherungen von Fremdanbietern an und lässt die Risikobeurteilung durch Partner durchführen. Die eigenen Versicherungen (v.a. Mikroversicherungen) werden auch über andere Plattformen, wie den Online-Handelsriesen Alibaba, angeboten. In Deutschland plant die Allianz ihr eigens entwickeltes System ABS („Allianz Business System“) als Open-Source-Plattform für Versicherungsprozesse auszurollen, die auch andere Versicherer nutzen können.

Nicht zuletzt können aber auch Banken eine Plattform für Versicherungen darstellen. Diese profitieren von regelmäßigem Kundenkontakt im Online- und Mobile-Kanal und dem Wunsch ihrer Kunden, dort auch Versicherungen einsehen zu können*. Zudem haben viele Banken bereits Erfahrung mit der Integration von Fremdanbietern: Sie bieten ihren Kunden die Möglichkeit, institutsfremde Bankkonten online und mobile einzusehen oder sogar neue Produkte bei anderen Banken abzuschließen. Die Kooperationen zwischen der DKB und dem InsurTech CLARK oder zwischen der Deutschen Bank und friendsurance zeigen, dass der Versicherungsmarkt auch für Banken sehr interessant ist.

Der Kampf um die durchaus beachtlichen Margen im Versicherungsgeschäft hat begonnen – es bleibt abzusehen wer die Nase vorn haben wird: Versicherungen, InsurTechs oder Banken? 

* Eine repräsentative Umfrage von YouGov 2018 ergab, dass 52% der Befragten daran interessiert sind, ihre Versicherungsverträge im Online Banking einzusehen.

Quellen:

Lünendonk Studie 2018 „Versicherungen in der Zeitfalle“

YouGov Studie 2018 „Bankenmarkt Online und Offline – Lohnen sich Filialbanken noch?“

Bain & Company Studie 2017 „Versicherer der nächsten Generation: Die Servicerevolution“

finletter 2019 „Insurtech-Weltreise: So weit ist die Branche auf dem asiatischen Markt“

www.allianz.com/presse

www.dkb.de/info/versicherungsmanagement/

www.db.com/newsroom-news/