Wie können die Oligopolisten im verteilten deutschen Telekommunikationsmarkt wachsen?

Veröffentlicht von am 25. April 2019 · Kommentieren

Der Markt für Telekommunikation kann in Deutschland in allen Bereichen als gesättigt bezeichnet werden. Sowohl beim Internet als auch in Sachen Mobilfunk können Anbieter nur noch Wachstum dadurch generieren, indem sie Konkurrenten Kunden abwerben. Dies ist die einfache Antwort auf die Eingangsfrage. Aus dieser Antwort ergibt sich aber andererseits eine Vielzahl von Folgefragen. Um diese richtig zu stellen und zu beantworten, ist zunächst ein Blick auf die derzeitige Situation am Markt notwendig.

Der deutsche Telekommunikatonsmarkt

Die Zahl der Mobilfunkanschlüsse in Deutschland stieg von Mitte der Neunzigerjahre bis zum Jahr 2008 rasant an. Dann stagnierte die Entwicklung und zeigte nur noch leichte Aufwärtstendenzen. Mit mehr als 125 Millionen Anschlüssen verfügen die meisten Erwachsenen und Jugendlichen über mehr als einen Anschluss. Für die Trennung von Beruf und Privatleben ist dies sicherlich hilfreich. Die Notwendigkeit für ein drittes Smartphone ergibt sich allerdings in deutlich weniger Fällen. Beim Festnetz stellte sich die Situation nach Öffnung der Märkte in den Neunzigern ohnehin so dar, dass faktisch jeder Haushalt und erst recht jedes Unternehmen bereits über einen Anschluss verfügte. Das Internet wird inzwischen von über 81 Prozent der Bevölkerung genutzt. Hier dürfte es sich beim verbleibenden Fünftel um einen bewussten Verzicht handeln. Entsprechend kann auch in diesem Feld Wachstum nur durch eine Gewinnung von Bestandskunden anderer Anbieter entstehen

Erhöhter Wettbewerb in Sachen Geschwindigkeit

Auf dem Markt für Mobilfunk sind in Deutschland seit 2014 mit der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica O2 noch drei Anbieter auf dem Markt vertreten. Die Marktanteile verschoben sich dabei in der Vergangenheit zum Teil durchaus spürbar. 2017 war dann eine weitgehende Parität erreicht. In welche Richtung es weitergeht wird vor allem vom Ausbau der Netze im Hinblick auf eine Erhöhung der Geschwindigkeit abhängen. Die mobile Nutzung des Internets wird in Zukunft weiter zunehmen. Dadurch steigt der Druck auf die Anbieter, entsprechend leistungsfähige Netze vorzuhalten. Der Ausbau des High-Speed Internets in der Breite ist deshalb der zentrale Schlüssel, wenn es um die Gewinnung neuer Kunden geht. Auch wenn in Deutschland bereits 2015 gut 77 Prozent in dicht bis mittel besiedelten Gebieten lebten, eröffnet der weiterhin deutlich ausbaufähige ländliche Raum mit knapp einem Viertel der Bevölkerung weiterhin echte Wachstumschancen durch ein verbessertes Angebot in Sachen Internetgeschwindigkeit.

Das Festnetz hat weiterhin Bedeutung

Neben der mobilen Nutzung des Internets steht außerdem der Ausbau des Festnetzes weiterhin auf der Agenda. Aufgrund besserer Performance und geringerer Kosten wechseln die meisten Nutzer zuhause und bei Freunden gerne zum WLAN. Vor allem wenn es um das Abspielen hochauflösender Videos geht, sorgt das Festnetz mit deutlich mehr Leistung dafür, dass die Übertragung wesentlich seltener stockt. Hier ist die Zahl der Anbieter wesentlich größer als beim Mobilfunk. Einer der Gründe hierfür ist, dass sich Internet und Festnetztelefon auch über die Netze für das Kabelfernsehen nutzen lassen. Hier zeigt sich, dass in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die verschiedenen Medien mehr und mehr miteinander verschmelzen werden. Das klassische Fernsehen dürfte dann, jenseits aktueller Berichterstattung und Live-Übertragungen, bald Geschichte sein. Auch deshalb konkurrieren die Kabelanbieter in Deutschland auf dem Markt für Internet- und Festnetzanschlüsse mit. Für diesen Bereich gilt grundsätzlich das Gleiche wie für die Mobilsparte. Neue Kunden können vor allem durch eine bessere Leistung gewonnen werden.

Eigene Inhalte werden wichtiger

Daneben gehen aber auch immer mehr Anbieter dazu über, nicht nur Internet, Mobilfunk und Festnetz in Paketen zum Festpreis zu bündeln, sondern darüber hinaus eigene oder eingekaufte Inhalte anzubieten. Kooperationen mit Fernsehsendern, Streamingdiensten und anderen Anbietern visueller Unterhaltungsformen dürften in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Auch was die Rechte an Sportübertragungen betrifft dürfte der Markt in den kommenden Jahren in Bewegung bleiben, weil solche Inhalte viele Nutzer tatsächlich zu einem Wechsel bewegen könnten. Insofern wird die Verzahnung von Fernsehen, Filmindustrie, Sport und Internetanbietern weiter zunehmen.

Deutschland hat Nachholbedarf

Die Notwendigkeit des Ausbaus der verschiedenen Netze ergibt sich jedoch nicht nur aufgrund der Konkurrenzsituation auf dem Telekommunikationsmarkt. Im Hinblick auf die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit liegt Deutschland im internationalen Vergleich weit zurück. 2017 langte es lediglich für Platz 25. Damit war und ist Deutschland weit abgeschlagen hinter Ländern wie Südkorea oder auch den skandinavischen Staaten. Für die Anbieter in Deutschland sollte dieser Umstand ein zusätzlicher Ansporn sein, mehr Kunden mit einem deutlich verbesserten Angebot zu gewinnen. Denn der Datenverkehr wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen.

Quellen:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/3907/umfrage/mobilfunkanschluesse-in-deutschland/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13070/umfrage/entwicklung-der-internetnutzung-in-deutschland-seit-2001/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/3028/umfrage/marktanteile-der-netzbetreiber-am-mobilfunkmarkt-in-deutschland-seit-1998/

https://www.destatis.de/DE/Publikationen/StatistischesJahrbuch/Bevoelkerung.pdf?__blob=publicationFile

https://www.it-daily.net/it-management/mobile-business/14722-3-trends-praegen-2017-den-telekommunikationsmarkt

https://de.statista.com/infografik/1064/top-10-laender-mit-dem-schnellsten-internetzugang/