Innovationen bei traditionellen Banken – immer eine schwere Geburt?

Veröffentlicht von am 16. April 2016 · Kommentieren

 

Genauso wie die Unterhaltungsbranche und das klassische Retailgeschäft durch innovative Technologien stark beeinflusst werden, sind auch die Banken und die gesamte Finanzindustrie einem disruptiven Einfluss durch aufstrebende FinTechs ausgesetzt. Traditionelle Banken spüren zwar immer noch den Reputationsverlust aus der globalen Bankenkrise im letzten Jahrzehnt, müssen sich aber auf die zunehmende Bedrohung ihres Geschäftsmodells aus einer ganz anderen Richtung konzentrieren. Die veränderte Kundenerwartung im Sinne von Mobilität, Geschwindigkeit, Kommunikation und Personalisierbarkeit übt hier zunehmenden Druck aus. Die in traditionell aufgestellten Banken vorhandenen Altlasten sind hier ein entscheidender Hemmschuh.

Bei der Auswahl eines Anbieters für Finanzdienstleistungen bleibt die Zuverlässigkeit immer noch einer der Hauptfaktoren für den durchschnittlichen Bankkunden. Hier können die etablierten Marktteilnehmer natürlich auf eine teilweise Jahrhunderte lange Tradition und entsprechende Zuverlässigkeit verweisen. Diese ist im Sinne von Veränderungsgeschwindigkeit aber in vielen Bereichen auch ein Teil des Problems.

Die großen traditionellen Banken in Europa und USA haben in der Vergangenheit sehr von einer Standardisierung und Skalierbarkeit hinsichtlich der operativen Geschäftsvorfälle profitiert. Dies gilt auch für die Sparkassen und Volksbanken, die auf jeweils gemeinsame IT-Infrastrukturen zurückgreifen können. Diese Automationsbestrebungen in der Vergangenheit haben aber oft riesige unhandliche IT Infrastrukturen hinterlassen und dieses Erbe macht eine Integration innovativer Lösungen problematisch oder prohibitiv teuer. Ergebnis ist oft eine stückweise Integration mit einer Reihe von Kompatibilitätsproblemen, die das Grundproblem eher ausweiten.

Diese Effekte können gerade in Großbritannien beobachtet werden. Hier wurden in einigen Banken uralte Systeme, die für das Filialgeschäft ausgelegt waren, zunächst um SB-Funktionalitäten für Geldautomaten, dann um Online-Banking und schließlich um Mobile-Banking-Anwendungen erweitert. In der Folge kam es zu einigen Totalausfällen, die der Reputation einen erheblichen Schaden zugefügt haben.

Eine komplette Überarbeitung der IT Landschaft einer Bank ist jedoch aus Budgetgründen oft nicht realisierbar. Zudem ist die Migration auf ein neues oder überarbeitetes System eine echte Herausforderung und gleicht dem Wechsel einer Windschutzscheibe bei Tempo 200.

Also Innovationsdruck auf der einen Seite, regulatorische und Kunden-Anforderungen an Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit auf der anderen und monolithische IT-Infrastrukturen in der Mitte. Eine echte Zwickmühle. Dabei sind die halb abgewürgten Innovationsansätze sicher das langfristig schlimmere Problem und die Integration moderner Lösungen muss in jedem Falle Priorität haben.

Das Vertrauen, das die traditionellen Banken genießen, sinkt von Skandal zu Skandal kontinuierlich. Wenn das das einzige Asset bleibt, ist ein Verlust der Marktanteile vorprogrammiert. Der Millenial Disruption Index 2013 zeichnet da ein wenig schmeichelhaftes Bild. Danach würden 1/3 aller Kunden nichts dagegen haben, ihre Bank in den nächsten 90 Tagen zu wechseln. Und die Hälfte der Befragten erwarten, dass FinTechs die Aufgaben der traditionellen Banken bald übernehmen werden.

Das unterstreicht nicht nur die Schwierigkeiten, die Banken bei der nachhaltigen Verbesserung der Beziehung zu ihren Kunden haben werden, sondern zeigt auch die klaren Chancen der FinTechs auf.

Den meisten Banken ist dies natürlich sehr bewusst. Die Absicht sich diese Innovationen zu sichern und auf dem Trend zu folgen, wird durch die Einrichtung diverser Venture Capital Funds für FinTech Unternehmen mehr als deutlich. So kündigte z.B. HSBC einen Fund von über 200 Millionen US$ an oder die Deutsche Bank gründete einen Innovation Hub um über 500 Ideen zu überprüfen.

Dieser Wille auf den Zug aufzuspringen beseitigt natürlich nicht das schwere Erbe in Form der eigenen IT- Landschaft. Einige FinTech-Innovationen können jedoch auch einfacher integriert werden und erfordern keinen so großen Aufwand auf der Bankseite. So bieten viele FinTech Unternehmen nur ein kleines Segment  der gesamten Prozesskette an. Wie z.B. reine Bezahlprozesse oder internationale online Überweisung. Aufgrund der Flexibilität die sich durch den Gebrauch von API´s (application programming interfaces) oder cloud computing ergeben, können diese Lösungen leichter in die bestehenden Prozesse und Architekturen eingebunden werden. Dieses als „Financial LEGO“ (Mike Laven) bezeichnete Prinzip ermöglicht es Banken sich die Services einzelner FinTechs zusammenzustellen und zu integrieren, anstatt diese kostenintensiv in ihren eigenen Strukturen selbst zu entwickeln.

Die Hauptschwierigkeiten der klassischen Banken schwanken also zwischen Kundenabwanderung, monolithischen nicht zukunftsfähigen IT-Landschaften und der wachsenden Bedrohung durch innovative Konkurrenten, deren Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit sie nicht erreichen können.

Allerdings haben viele Banken schon das Bewusstsein für die beschriebenen Probleme demonstriert. In diese innovativen Unternehmen zu investieren, sie zu entwickeln und vor allen Dingen ihre Serviceangebote modular über API´s elegant zu integrieren ist hier beste Ansatz die bestehenden Probleme anzugehen. Darin liegt die beste Chance mit der schnellen Entwicklung Schritt zu halten und das Serviceangebot zu schärfen um den immer anspruchsvolleren, modernen Bankkunden zu erreichen.

Derartige Projekte erfordern Erfahrung mit der Integration von Applikationen in Bankprozesse und einen klaren Blick für die Kundenbedürfnisse um nachhaltigen Erfolg zu zeigen.