Herausforderungen der Digitalen Transformation (Teil 7)

Veröffentlicht von am 18. Januar 2017 · Kommentieren

Eckpfeiler der Digitalisierungsstrategie

Für die Entwicklung einer zukünftigen Digitalisierungsstrategie kann man sich ganz generell an einem Leitsatz orientieren. Was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert. Immaterielle Güter liegen heute bereits weitestgehend digital vor und sind praktisch immer und von überall aus erreichbar. Die Digitalisierung physikalischer Gegenstände, zum Beispiel durch Augmented Reality, intelligente vernetzte Maschinen oder 3D-Drucker, ist bereits in vollem Gange.

„Digitale Produkte“ sind somit eine Mischung aus Gegenstand und Services, können in kürzester Zeit überall erstellt und geliefert werden und haben einen sehr kurzen Produktlebenszyklus. Dadurch vergrößern sich Ihre Absatzchancen erheblich, aber eben auch die Anzahl Ihrer potenziellen Wettbewerber. Unternehmen müssen im Zuge der digitalen Transformation daher ihr Portfolio anpassen und die Wertschöpfungslogik mitunter dramatisch verändern, denn die digitale Ökonomie funktioniert nach eigenen, neuen Spielregeln.

Bei der Formulierung einer Digitalstrategie sollten Unternehmen daher vor allem die folgenden acht Kernüberlegungen im Auge haben. Die dargestellten Empfehlungen dienen vor allem in der frühen Phase des Transformationsprozesses als eine gute Orientierung für die Formulierung einer ersten Basisstrategie. Innerhalb dieser Themen muss jedes Unternehmen für sich eine entsprechende Ausgestaltung und Spezifikation vornehmen. Darüber hinaus müssen die einzelnen Themen im Verlauf des Transformationsprozesses weiter konkretisiert werden.

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Grundthesen zur Formulierung einer Digitalstrategie

1. Digitalisierung nicht als Sprint sondern als Marathon begreifen

Die digitale Transformation ist nichts, was man von heute auf morgen erledigt. Es ist ein langfristiger Prozess, der im Unternehmen reifen muss und nur in gut aufeinander geplanten Schritten erfolgt. Dabei darf und muss es erlaubt sein, auch Fehler zu machen und Erfahrungen zu sammeln.

2. Den Kunden neu entdecken und seine Erlebnisse optimieren

Effizienz verbessern ist gut, Kundenerlebnisse optimieren ist besser. Vor allem die deutschen Unternehmen müssen lernen, was die Internet-Konzerne aus dem Silicon Valley vorgemacht haben. Digitale Technologien bieten völlig neue Möglichkeiten, die Wünsche der Kunden zu verstehen und ihre Bedürfnisse zu bedienen.

3. Daten sinnvoll nutzen

Daten sind die Rohstoffe dieses Jahrhunderts. Es gilt, neue Möglichkeiten zur Ernte der Daten aufzuspüren. Gleichzeitig sind Daten aber nur etwas wert, wenn sie analysiert und verstanden werden. Noch wichtiger als die Sammlung und Analyse von Daten ist die richtige Interpretation der Daten, denn erst dadurch erhalten Daten ihren eigentlichen Wert für das Unternehmen.

4. Effizienz steigern, Komplexität reduzieren

Unternehmen müssen die Komplexität aus ihren Prozessen herausnehmen sowie die Strukturen verschlanken und digitalisieren. Aus vormals straff organisierten und standardisierten Prozessketten müssen flexible Prozessnetzwerke werden, die schnell und unkompliziert anpassbar sind. Nur so können Unternehmen der immer weiter steigenden Notwendigkeit zur Flexibilisierung im digitalen Wettbewerb gerecht werden.

5. Neue Wettbewerber und neue Märkte erkennen

Unternehmen brauchen „Radargeräte“, um möglichst frühzeitig die neuen Wettbewerber zu erkennen. Diese können ganz plötzlich aus dem Nebel auftauchen. Je früher die neuen Konkurrenten erkannt werden, umso größer sind die Chancen, die Umsätze zu verteidigen. Auf der anderen Seite können aber auch neue Märkte, die im Rahmen der Digitalisierung des bestehenden Produktportfolios erreichbar sind, unverhofft am Horizont erscheinen und neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.

6. Die technischen Treiber beherrschen

Unternehmen, die neue Technologien optimal nutzen, sind erfolgreicher als der Wettbewerb – und das nachweislich. Sie haben mehr Umsatzwachstum, eine höhere Profitabilität sowie einen größeren Unternehmenswert. Unternehmen müssen offen sowie ansprechbar sein und auf Feedback eingehen, Angebote und Dienste für den mobilen Einsatz optimieren und die wesentlichen Daten und Anwendungen immer und überall verfügbar machen.

7. Durchgängig hohe Service-Qualität auf allen Kanälen gewährleisten

Der digitale Kunde nutzt alle zur Verfügung stehenden Kanäle. Digital reife Unternehmen bieten ihm an jedem Kontaktpunkt dieselbe hohe Qualität, so dass er immer eine gleichwertig positive Erfahrung macht. Unternehmen können dies nur gewährleisten, wenn sie die modernen Technologien intelligent nutzen und die verschiedenen Kanäle miteinander integrieren.

8. Bestmöglichen Service in Echtzeit bieten

Weg ist weg – digitale Konsumenten haben keine Geduld mit trägen Anbietern. Bedingt durch die dramatisch gestiegene Anzahl an Alternativen ist das Zeitfenster für einen einzelnen Kontakt zwischen Kunden und Anbieter ebenso dramatisch geschrumpft. In dieser kurzen Zeit erwartet der Kunde optimalen Service und einfachste, intuitive Bedienung – oder er zieht weiter und kommt nie wieder zurück.

 

Demnächst geht es hier weiter mit dem letzten Teil und einem abschließendem Fazit.