Führungskräfte im Spannungsfeld agiler Entwicklung

Veröffentlicht von am 29. März 2017 · Kommentieren

Die wachsende Bedeutung agiler Entwicklungsmethoden stellt Führungskräfte vor neue Herausforderungen. Insbesondere eine vollständige oder teilweise Umstellung von konventionellen auf agile Projektmanagement-Methoden ist für alle Beteiligten ein nicht zu unterschätzender Aufwand.

Konventionelle Strukturen

Konventionelle Vorgehensweisen sind durch hierarchische Strukturen geprägt. Projektleiter, Teamleiter, Sponsor, Entwickler, Tester etc. lassen sich wunderbar in Organigrammen darstellen. Zu jedem Zeitpunkt ist klar, wer bei notwendigen Entscheidungen im Projekt das letzte Wort hat. Auch wenn es in der Realität nicht immer so eindeutig funktioniert, sind doch die Rahmenbedingungen vorgegeben.

Agile Strukturen

SCRUM und andere agile Vorgehensmodelle zeichnen sich nun durch grundsätzlich unterschiedliche Strukturen aus. Einen Projektleiter im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Die Verantwortung für Scope, Time und Budget wird auf die Gruppe übertragen. Eine klare Hierarchie gibt es nicht mehr. Im SCRUM ist lediglich die Position des Product Owners mit einer gewissen Macht ausgestattet.

Die derzeit gebräuchlichste Methode ist SCRUM, gefolgt von KANBAN. Laut der aktuellen Studie „Status Quo Agile 2016/2017“ hat SCRUM für über 80% aller agilen Anwender eine zentrale oder wichtige Bedeutung.

 

Führung agiler Projekte

Da Führungskräfte in agilen Strukturen nicht mehr die gewohnten Instrumente zur Steuerung von Projekten in der Hand haben, scheuen viele den Einsatz von agilen Methoden und berauben sich damit der Vorteile.

Bei denjenigen, die agile Methoden einführen wollen, zeichnen sich drei unterschiedliche Vorgehensweisen ab.

  1. Hybridisierung
  2. Modifikation
  3. Vertrauen

Hybridisierung

Die Hybridisierung ist häufig ein erster, mehr oder weniger zaghafter Versuch, agile Methoden auszuprobieren. Hierbei werden einzelne, klar abgegrenzte Aufgaben aus einem konventionellen Projekt herausgelöst und agil umgesetzt. Dieser Ansatz funktioniert auch im größeren Maßstab, ist aber insbesondere für erste Erfahrungen mit agiler Entwicklung sinnvoll.

Die Auswahl des agil umzusetzenden Teils des Projektes ist allerdings sehr schwer und muss gut überdacht werden. Hierbei sollte man die grundsätzlichen Regeln zur Entscheidung, ob ein Projekt agil oder konventionell realisiert werden soll, heranziehen.

Bei der Hybridisierung sollte jedem Beteiligten klar sein, dass das Projekt mit zwei grundsätzlich unterschiedlichen Ansätzen durchgeführt wird. Die Grenzen und Schnittpunkte müssen klar definiert sein und man sollte sich des Kultursprungs innerhalb des Projektes bewusst sein.

Modifikation

In der Praxis findet man sehr häufig modifizierte agile Methoden. In diesen Fällen wird zwar grundsätzlich agil entwickelt, allerdings werden Elemente des konventionellen Projektmanagements, wie zum Beispiel ein Projektleiter oder ein Change Prozess, in die agilen Strukturen integriert.

Abhängig von der Art der Modifikation beraubt man sich unterschiedlicher Vorteile einer agilen Entwicklung. So schränkt ein eingesetzter Projektleiter auf jeden Fall die Eigenverantwortung und Unabhängigkeit eines SCRUM-Teams ein. Allerdings ist es auch stark von der eingesetzten Person abhängig, wie intensiv diese Einschränkung erfolgt.

Vertrauen

Eine vollständige Realisierung agiler Entwicklungsmethoden setzt ein hohes Maß an Vertrauen in die eingesetzten Mitarbeiter voraus. Insbesondere die fehlende hierarchische Einflussnahme stellt Führungskräfte häufig vor hohe Hürden. Allerdings können sich die Vorteile und die Dynamik agiler Methoden nur dann vollständig zeigen, wenn eben dieses Vertrauen gezeigt wird.

Hier bieten sich kleinere, agil umgesetzte und sorgsam ausgewählte Projekte an, welche in der gesamten Organisation neben Vertrauen auch Know-How aufbauen können.

 

Fazit

Unterschiedliche Vorgehensweisen können den Wunsch nach Einführung von agilen Entwicklungsmethoden gerecht werden, ohne dass dabei die bestehenden Strukturen überfordert werden. Allen Vorgehensweisen ist gemein, dass die Projekte bzw. Projektteile, die agil realisiert werden sollen, sehr sorgsam ausgewählt werden müssen.

Die Einführung von agilen Methoden hat einen Kulturwandel zur Folge, auch wenn nur in ausgewählten und möglicherweise kleinen Bereichen Agilität Einzug hält.

 

 

Quelle: Status Quo Agile 2016/2017, 3. Studie über Erfolg und Anwendungsformen von agilen Methoden, Hochschule Koblenz, University of Applied Sciences, Prof. Dr. Ayelt Komus