Fixed Mobile Convergence: Welche Chancen ergeben sich für Incumbents?

Veröffentlicht von am 4. Oktober 2019 · Kommentieren

Wir leben in einer Zeit disruptiver Veränderungen. Die Digitalisierung und mit ihr die digitale Vernetzung durchdringen sämtliche Lebensbereiche und verändern auch die Telekommunikation in einem bisher nicht gekannten Maße.

Die Verbindung von ortsfesten Anschlüssen und mobilen Endgeräten ist daher ein seit längerem diskutiertes und an Bedeutung gewinnendes Thema. Unter dem Stichwort Fixed Mobile Convergence (FMC) bündeln sich eine Vielzahl von Ansätzen und Technologien, mit denen versucht wird, dieser Entwicklung Rechnung zu tragen.

Gehen Sie mit uns der Frage nach, welche Chancen sich für Incumbents, genauer den Incumbent Local Exchange Carrier (ILEC) also den Ortsnetzbetreibern hieraus ergeben.

Ausgangslage

Das Smartphone ist binnen weniger Jahre beruflich und privat zu unserem ständigen Begleiter geworden. Zunehmend löst es sowohl den Internetzugang über PC und Laptop als auch das Telefonat über den klassischen Festnetzanschluss ab. Messengerdienste tun ihr übriges.

Bereits mehr als die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet zumindest zeitweise auch von unterwegs aus und nutzt dabei regelmäßig das Smartphone, sei es als firmeneigenes Gerät oder durch Verwendung des eigenen Endgerätes (BYOD, Bring in your own device). Auch in der Firma selbst wird oft eher zum Smartphone als zum Festnetzapparat gegriffen.

Zu Hause wiederum wird aus dem beruflich genutzten mobilen Device der Allrounder privater Kommunikation.

Fixed Mobile Convergence (FMC) vs. Fixed Mobile Substitution (FMS)

Vitales Interesse jeden Incumbents ist es daher, eine Plattform und technische Lösungen anbieten zu können, mit der es den vorhandenen und potentiellen Kunden möglich ist, sich standortunabhängig mit dem eigenen Endgerät sowohl in das Festnetz als auch in das Mobilfunknetz einzuwählen und zwischen beiden zu wechseln.

Die vorhandene Infrastruktur des Incumbents kann so als Chance genutzt werden, um dem verbreiteten Trend bei Privatleuten und Unternehmen entgegenzuwirken, an Stelle von Festnetzapparaten, seien sie schnurlos oder nicht, das Smartphone und das Mobilfunknetz zu verwenden.

MagentaEins der Deutschen Telekom ist ein Beispiel dafür wie Incumbents durch den Ausbau vorhandener Strukturen die Bereiche Kommunikation (Voice und Messaging), Entertainment (TV, Video und Musik), Smart Home sowie Consumer IT (Cloud etc.) unter einer Plattform miteinander verbinden, um so ihren Kunden einen Mehrwert zu bieten und diese an sich zu binden. Hier wird der Ansatz verfolgt, das bundesweit verlegte Kupferkabelnetz mittels Vectoring und mittels des Ausbaus der Glasfaserkabelstruktur soweit zu verbessern, dass die für Fixed Mobile Convergence erforderliche Bandbreite flächendeckend zur Verfügung steht.

Der Merger von Kabel Deutschland und Vodafone sowie der damit einhergehende und fortschreitende Ausbau von WLAN-Hotspots durch die halboffene Verwendung der privaten Kabelboxen hierfür zeigt eine andere Möglichkeit auf, wie sich Fixed Mobile Convergence umsetzen lässt. Auch hier wird versucht, die Bereiche Festnetz, Mobilfunk und Entertainment (TV) in einer Plattform zu bündeln, in dem die Kabeltechnologie und der bundesweite Ausbau von Hotspots für WLAN-Verbindungen genutzt werden können.

Chancen für Incumbents bei Unternehmenskunden

Im Geschäftskundenbereich haben die Erreichbarkeit über das Festnetz und über die entsprechenden Haupt-/Nebenstellen mittels eigener oder cloudbasierter Telefonanlagen nach wie vor eine überragende Bedeutung.

Der Einbindung mobiler Endgeräte in diese Struktur, die bisher meist über eine Rufumleitung von der Festnetznummer des Unternehmens auf die Mobilfunknummer des Mitarbeiters erfolgt, ist hier das zentrale Thema, dem sich Incumbents widmen müssen. Wirtschaftlichkeit im Sinne der Kosten-Nutzen Analyse prägt hier die Interessen der Unternehmen. Hinzu kommen Datensicherheit und Datenschutz gerade jetzt nach Inkrafttreten der DSGVO und den gestiegenen Datenschutzanforderungen.

Gelingt es Incumbents hier für die Unternehmen überzeugende und technisch für den Mitarbeiter als Endanwender einfach umzusetzende Lösungen anzubieten, bietet Fixed Mobile Convergence die Chance Bestandskunden dauerhaft zu halten, neue Märkte zu erschließen und Kunden hinzu zu gewinnen.

Chancen für Incumbents bei Privatkunden

Eine hohe Bereitschaft den Anbieter zu wechseln und ein oft sprunghaft anmutende Wechselhäufigkeit kennzeichnet Privatkunden im Bereich mobiler Kommunikation. Dementsprechend schwierig ist es, Smartphonenutzer dauerhaft oder zumindest längerfristig an einen Anbieter zu binden.

Auch wenn das Smartphone immer häufiger den Festnetzanschluss ersetzt, hat die Festnetznummer bei vielen Haushalten längst nicht ausgedient.

Fixed Mobile Convergence und die technisch ausgereifte Verbindung von Festnetz, Mobilfunk und Internet bietet die Chance den Privatanwender auch längerfristig an sich zu binden und so für eine stabilere Marktdurchdringung zu sorgen.

Menschen lassen sich durch Bilder, Musik und Emotionen weit eher ansprechen als über reine Produktbeschreibungen oder rein technische Lösungen, wie Marketingstrategen wissen.

Insbesondere dem Privatanbieter mit Fixed Mobile Convergence Lösungen Erlebniswelten digitaler Kommunikation zu bieten und auf der emotionalen Ebene anzusprechen, anstatt „nur“ Produkte zu verkaufen, ist für den Incumbent eine Chance, sich weitere Märkte im Bereich der mobilen Kommunikation zu erschließen und Kunden an sich zu binden.

Ausblick

Die 5. Generation (5G) des Mobilfunks steht bevor und wird LTE (4G) als aktuell schnellste Mobilfunkverbindung ablösen. Die Technik wird zukünftig Datenraten im Mobilfunk von bis zu 20 Gigabit möglich machen. Länder, wie Südkorea und die Schweiz haben 5G bereits in Betrieb genommen.

Hier die richtigen Schnittstellen und Synergien zwischen Breitbandfestnetz und künftigen Mobilfunkstandard zu finden und auszubauen ist Aufgabe und Chance von Incumbents gleichermaßen, um zukünftig ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht nur zu erhalten sondern auch auszubauen.