Banking FinTech vs. klassische Bank – Ein ziemlich persönlicher Erfahrungsbericht

Veröffentlicht von am 27. Januar 2017 · Kommentieren

Kontoeröffnung vollständig online

Als einer der ersten ‚User‘ – ich (Ü40) würde sagen ‚Kunde‘ – bin ich der Empfehlung eines Consulting-Kollegen gefolgt und habe mich bei einem Banking FinTech ‚registriert‘, das sich auf das sogenannte Mobile Banking, also die Kontoführung per Smartphone-App, spezialisiert hat. Früher hätte ich bei einer klassischen Bank per Formular einen umfangreichen Kontoeröffnungsantrag gestellt.

Nach sechs Wochen auf der Warteliste durfte ich dann den eigentlichen Eröffnungsprozess starten, der nur acht Minuten dauerte und vollständig online ablief. Für die Authentifizierung sprach ich in einem Videochat mit einem Mitarbeiter in einem roten Pullover, der mich duzte. Der Mann war analog und sympathisch kompetent.

Danach konnte ich die dazugehörige App sofort nutzen. Die PIN war sofort frei wählbar. Die Angabe weiterer Details war angenehm gut gelöst. Bei einer klassischen Bank müsste man dafür mehrere Tage einplanen.

Die Wartezeit auf die Kreditkarte dauerte wie beworben in der Tat nur drei Werktage – deutlich schneller als bei einer klassischen Bank. Die Karte ist durchsichtig, aber bezahlt weder besser noch schlechter als ihre weniger durchsichtigen Vorfahren.

Insgesamt lief bis dahin alles erstaunlich simpel ab. Weg ist die zuweilen überwältigende Formular- und Antragsflut vergangener Tage. Aber wirklich mehr konnte das Banking FinTech zum damaligen Zeitpunkt noch nicht – ein Girokonto halt, ein schnelles.

Schöne neue Kontowelt?

Die sporadische Nutzung der Kreditkarte im Alltag funktionierte beanstandungslos – wie mit jeder anderen Karte einer klassischen Bank aus meiner Vergangenheit auch.

Eine erste Bewährungsprobe stellte der Verlust der Karte im Ausland dar. Der Anruf beim FinTech blieb erfolglos: Das Call-Center war nicht erreichbar, da durch einen Konten-Umzug (das FinTech hat sich entschieden, selbst Bank zu werden) eine Überlastungssituation entstanden war. Lange Wartezeiten kommen auch schon einmal bei klassischen Banken vor. In der App konnte ich die Karte deaktivieren und mit nur einem ‚Touch‘ habe ich das Limit für Auslandstransaktionen zusätzlich auf Null gesetzt. Welche Erleichterung. Das war erstaunlich einfach – viel besser als bei klassischen Banken.

Zurück in Deutschland wollte ich eine neue Karte bestellen. Das war wegen des Umzugs nicht möglich. Aber alle Kunden sollten ohnehin eine neue Karte erhalten – Termin offen. Nach mehr als vier Wochen bekam ich endlich eine neue Karte – gut, dass dies nicht meine Hausbank ist.

Kurz darauf der nächste Fehlschlag: Die Aktivierung der Karte in der App funktionierte nicht – mehrfach. Eine Supportanfrage beim Call-Center war nicht möglich – wieder wegen Überlastung. Drei weitere Anrufe von jeweils über 20 Minuten Dauer endeten erfolglos – ohne Kontakt zu einem Mitarbeiter. Weitere Versuche, die Karte per App zu aktivieren, blieben ebenfalls frei von Erfolg.

Als nächstes stellte ich eine Anfrage auf der Facebook-Seite des FinTech. Nach 48 Stunden bekam ich eine Antwort, ich solle Kontakt über eine mitgesendete analoge Telefonnummer aufnehmen. Ein analoger Mitarbeiter half umgehend am Telefon, erstaunlich schnell, und wieder waren wir per Du.

Die App funktionierte wieder, die Karte auch – endlich war ich wieder handlungsfähig.

Digital ist nicht immer gleich besser

Bankprozesse können nur zum Teil digital abgebildet werden. Und analoge Prozesse in einem innovativen FinTech sind nicht zwingend besser als die einer klassischen Bank. Die Idee, eine Kontoeröffnung vollständig digital abzubilden und die Zeit von Beantragung bis zum nutzbaren Konto drastisch zu vereinfachen und zu verkürzen, ist aus Kundesicht sehr gut – aber auch leicht kopierbar, wie wir dieser Tage sehen.

Bin schon sehr gespannt, welche weiteren Innovationen das Banking FinTech mit seiner frisch erworbenen Banklizenz an den Markt bringt und wie lange es dauern wird, bis die klassischen Banken nachziehen.