Kostenreduktion in der Bargeldlogistik durch prognosebasierte Steuerung

Veröffentlicht von am 23. Juli 2018 · Kommentieren

Geldausgabeautomaten begleiten uns nun seit einem halben Jahrhundert. Und sie sind mittlerweile einer der wichtigsten Kontaktpunkte zwischen Kunden und ihrer Bank. Dabei wird das Geldautomatennetz trotz der proklamierten Abkehr vom Bargeld weiter ausgebaut, um bestehende Kunden zu binden oder einen USP zu Online Banken aufzubauen. Dagegen stehen natürlich hohe Investitions- und Betriebskosten, die nur in Ausnahmefällen durch Fremdbankgebühren kompensiert werden können.

WEITERHIN GROSSES POTENTIAL BEI DER STEUERUNG DER BARGELDLOGISTI

Neben der richtigen Standortwahl ist die Steuerung der Bargeldlogistik ein Thema von großer Relevanz. Prozesse können effektiv gebündelt und damit entsprechende Kostenersparnisse erzielt werden. Bisher jedoch wurde in den deutschen Banken das Kostenreduktionspotenzial durch softwaregestützte Bargeldbestandsoptimierung und Auftragssteuerung selten ausgeschöpft. Die bestehenden Abläufe rund um den Einsatz von SB-Systemen sind durch viele manuelle Bearbeitungsschritte geprägt. Traditionell wird die Befüllung eines Geldautomaten über die Restmenge in den ausgetauschten Kassetten gesteuert. Eine zu hohe Restmenge erzeugt dabei den Impuls für eine Verlängerung der Serviceintervalle ein Leerlauf für eine Verkürzung. Diese Vorgehensweisen haben naturgemäß einen geringen Automatisierungsgrad, binden Fachpersonal, und jede Netzveränderung bedingt manuelles Nachsteuern. Große Zahlen von SB-Geräten sind damit nicht zu bewältigen. Dennoch ist dieses Vorgehen noch erstaunlich weit verbreitet.

Bei komplexeren Anforderungen wie bei Geräten mit Ein- und Auszahlmöglichkeiten, ist eine zentrale Disposition ohne entsprechende Softwarelösungen kaum mehr effizient möglich. Die planerische Kombination der logistischen Prozesse mit weiteren Cash Points wie z.B. Filialkassen ist ebenso selten ganzheitlich optimiert.

AUTOMATISIERUNG DURCH PROGNOSE DES EIN- UND AUSZAHLVERHALTENS

Als Lösung kommen hier eigentlich nur noch automatische Planungstools infrage, die über entsprechende Prognosen das Ein- und Auszahlverhalten abbilden und so die rechtzeitige Beauftragung eines Service einleiten. Ziel ist dabei immer, den denominationsgenauen Füllstand des Gerätes hinsichtlich der maximalen Reichweite zu optimieren und so mit möglichst wenig Services pro Jahr auszukommen, und das bei optimaler Deckung des Bargeldbedarfes. Zusätzlich kann bei mehr als einem Gerät an einem Standort durch Synchronisierung die Anfahrtsfrequenz weiter optimiert werden.

Hierbei sind sehr viele Einflussfaktoren zu berücksichtigen. In der Vergangenheit war z.B. das Zinsniveau entscheidend für die Füllhöhe der Geräte. In den bargeldführenden Cash Points der Kreditinstitute schlummern mehrere Milliarden Euro, die früher einen beträchtlichen Zinsverlust erzeugten. Bei den aktuellen Negativzinsen der Bundesbank wirkt dieser Effekt natürlich entgegengesetzt. Einer maximalen Füllung von Geldautomaten setzen die damit verbundenen Risiken jedoch enge Grenzen. Weitere Einstellungen hängen entscheidend von Gerätetyp, dem Ausgabeverhalten, den vorhandenen Kapazitäten und dem Kunden bzw. Mitarbeiterverhalten ab.

20-30% KOSTENREDUZIERUNG IN DER WERTLOGISTIK

Eine am deutschen Markt etablierte Standardlösung ist z.B. CCO der Firma Planfocus, die in Sparkassen und Volksbanken aber auch in Großbanken eingesetzt wird. Allein in dieser Lösung können über 300 Parameter eingestellt werden um eine optimale, den jeweiligen Standortanforderungen genügende Planung zu erzeugen. Mit entsprechender Expertise ist eine standortoptimale Einstellung auch für große heterogene Netze (Bankfilialen, SB Geräte, Einzelhandel und Tankstellen etc.) realisierbar. Das System ist in der Lage, große Netze mit über 20.000 optimierten Wertlogistikaufträgen im Monat praxistauglich und stabil zu planen. Und das quasi automatisch mit geringem Personalaufwand. Auch weitergehende Prozesse, wie Kontrolle der Werttransportunternehmen, Entstörung/Wartung der Geräte oder komplexe Feiertagsregelungen lassen sich gut automatisieren.

Eine Implementierung eines solchen Systems bedingt natürlich auch die notwendige Anpassung und Schaffung von Datenschnittstellen und Prozessanpassungen. Als Ergebnis können 20-30% der Wertlogistikkosten reduziert und gleichzeitig eine hohe Verfügbarkeit für den Kunden aufrechterhalten werden. Was im Großen funktioniert, wirkt natürlich auch bei Instituten mit einer deutlich geringeren Anzahl an SB-Geräten. Im Zeitalter der geringen Margen und der Digitalisierung ist es für Banken geradezu ein Gebot, sich mit Lösungen dieser Art auseinander zu setzen.

Ihr Ansprechpartner bei ARKADIA Dr. René Ruppert | rene.ruppert@arkadia.de

 

Lesen Sie auch folgende Artikel zum Thema Bargeldlogistik:

Henne oder Ei – warum steigt die Anzahl der Geldautomaten in Deutschland?

Zahlungsmethoden 2025 – Bargeldlogistik ist wichtiger denn je

Pain Points beim Bargeldhandling zwischen Einzelhandel und Retailbanken

Die Folgekosten der Bargeldnutzung steigen bei Handel und Banken gleichermaßen