Digital Productivity Tools – Trotz Smartphone gelangweilt und kreativ

Veröffentlicht von am 9. Mai 2018 · Kommentieren

Im Grunde sind wir alle Junkies. Unsere Droge? Herzchen auf Instagram. Nachrichten auf WhatsApp. Likes auf Facebook. Eilmeldungen von den Nachrichtenportalen. Oder für die Fußballfreunde: Push-Notifications mit den neuesten Gerüchten von transfermarkt.de.

Wie die sozialen Netzwerke uns anfixen

Smartphones sind viel mehr als technologische Hilfsmittel: Sie sind Dopamin-Spender. Denn jede Nachricht, die wir bekommen, löst ein wohliges Gefühl in uns aus: „Jemand denkt an dich.“ Jeder Like, den ein Post von uns erhält, liest sich wie ein „Ich stimme dir zu“. Als soziale Wesen liegt es in unserer Natur, Zuneigung und Anerkennung unserer Mitmenschen zu suchen. Wenn wir sie erhalten, stößt unser Körper Glückshormone wie das Dopamin aus.

Soziale Netzwerke wissen um diese Mechanik und machen sie sich zunutze. Deshalb sind blaue Daumen und rote Herzchen in den Netzwerken so prominent platziert – sie erlauben einfache Interaktion. Denn in jeder Minute, die wir auf Plattformen verbringen, kann uns eine mit unseren persönlichen Daten individualisierte Werbeanzeige eingeblendet werden. Unsere Aufmerksamkeit ist monetarisierbar.

Was macht das mit uns? Dopamin wird nicht nur ausgeschüttet, wenn wir eine WhatsApp erhalten. Sondern auch wenn wir Alkohol konsumieren oder Poker spielen. Anders gesagt: Dopamin hilft uns mit Stress und Anspannung umzugehen. Und es macht abhängig.

Simon Sinek formuliert das folgendermaßen: „Wenn du mit Freunden essen gehst und dabei mit jemandem schreibst, der nicht dabei ist, ist das eine Sucht. Wenn Du morgens aufwachst und du checkst dein Handy bevor du deiner Frau oder deinem Freund ‚Guten Morgen‘ sagst, ist das eine Sucht. Und wie jede Sucht wird sie mit der Zeit deine Beziehungen zerstören, Zeit und Geld kosten und dein Leben schlechter machen.“

Harter Tobak. Sind Smartphones deshalb Teufelswerk? Nein, sie sind praktisch um einen Sushi-Laden zu finden. Zu erfahren, ob der Zug Verspätung hat. Um Video-Gespräche zu führen und Musik zu hören. Und wie ein Glas Wein am Abend kein Alkohol-Problem macht, ist eine halbe Stunde Candy Crush beim morgendlichen Pendeln keine Smartphone-Sucht.

Wie Langeweile mit Kreativität zusammenhängt

Es geht um Balance. Um diese zu finden hat die Tech Podcasterin Manoush Zomorodi das „Bored and Brilliant“ Projekt gestartet. Ausgangspunkt war ihre Beobachtung, dass wir die kleinen Momente an der Supermarktkasse etc. nicht mehr mit Gedankenschweifen, sondern Smartphone-Wischen verbringen. Und dies mit einer verminderten Kreativität einhergeht.

Warum? Unser Geist will ständig beschäftigt sein. Wenn aber externe Stimulation entfällt – wir nicht gerade einem Gesprächspartner zuhören oder Instagram-Fotos anschauen – ist das (Unter-)Bewusstsein frei sich Informationen und Gedanken im Kopf zuzuwenden.  Ähnlich wie Schlaf nicht nur den Körper erholt, sondern die Synapsen im Gehirn neu verbindet, hilft aus-dem-Fenster-gucken Zusammenhänge zu verknüpfen und Ideen zu entwickeln.

Wie wir unser Smartphone bewusster nutzen

Für Manoush Zomorodi besteht der erste Schritt darin, Transparenz über das eigene Nutzungsverhalten zu schaffen. Sich der Ironie bewusst, empfiehlt sie dafür die Installation einer App, die dieses auf Tagesbasis trackt (Break-Free für Android, Moment für iOS). Weitere Tipps beinhalten Foto-freie Tage, das Deaktivieren aller Push-Notifications und das (temporäre) Entfernen der Social Media Apps. Für mich persönlich war eine andere Kleinigkeit noch wichtiger: Als Pendler verbringe ich täglich zweimal eine halbe Stunde im Zug. Um die Zeit nicht mit dem Handy zu verdaddeln, habe ich in meiner Tasche immer ein Buch. Und wenn man was für die Synapsen tun möchte? Am besten aus dem Fenster gucken und Gedanken schweifen lassen…

 

Ihr Ansprechpartner bei ARKADIA:

Christian Habich | christian.habich@arkadia.de